Black tie – Balsam für die Seele

Dunkel und ölig fließt er ins Glas. Dabei verströmt er einen feinen, alkoholischen Duft, es riecht nach Dörrobst, Toffee und Kaffee. Der erste Tropfen auf der Zunge überrascht! Es schmeckt nach feinstem, uraltem Balsamico, gepaart mit hochkonzentriertem Pflaumenwein, gerösteten Nüssen und öligem Espresso, wie man ihn nur in italienischen Kaffeebars bekommt. Die Süße, der Alkohol, die Tiefe des Geschmacks, das alles legt sich unmittelbar auf meine Seele.
Doch zum Anfang der Geschichte: Ich wurde 50, feierte eine Party mit 150 Gästen in der PanAm Lounge in Berlin. Zahlreiche Geschenke wurden überreicht, auch wenn ich explizit drum bat, nichts mitzubringen. Dabei wurde mir eine feine Kiste überreicht, die ich zu den anderen auf den Gabentisch legte. Im Nachhinein betrachtet tat ich das viel zu achtlos, denn das Geschenk, es kam übrigens von Niko Rechenberg, er ist sowas wie ein Influencer unserer Generation, hätte deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Ich ahnte nicht, was mir da überreicht wurde. Ich nahm die Flasche mit nach Österreich zu meinem langjährigen Freund Christoph. Er ist Hotelier in Mittersill und ein absoluter Rumliebhaber. So ging ich davon aus, dass es deutlich mehr Spaß machen würden, den „Black tie“ mit ihm zusammen zu trinken.
In der Schifffahrt gibt es einen sogenannten „Anleger“. So bezeichnet man einen Schnaps, den man trinkt, nachdem man sein Boot, seine Yacht oder was auch immer, erfolgreich im Hafen angeleint hat. So genossen wir, analog zu dieser Tradition, nach einer mehrstündigen Autofahrt nach der Ankunft in Christophs Hotel einen kleinen Schluck des „Black Tie Kuba Rum meets Pedro Ximénez 1910“ der Black Tie Collection von Creator und Unternehmensgründer Jörn Fechner. Ich war auf Anhieb begeistert! Fechner vermarktet das Elixier als „Gentlemans-Drink“, für mich und vor allem für meine Frau völlig unverständlich, denn nichts daran ist nicht geschlechtsneutral. Die Süße, das Balsamische und die konzentrierten Aromen dieses großartigen Getränkes sprechen vermutlich fast alle Menschen mit Geschmack an!

Im Kern ist der Black Tie Rum ein Blend aus karibischem Rum und einem Pedro Ximénez Sherry Jahrgang 1910. Dabei bringt der stark gereifte PX-Sherry das Balsamische und die Süße mit, der Rum steuert viele der Röstaromen und den deutlich wahrnehmbaren Alkohol bei. Eine wunderbare Liaison und ich als Sommelier bin traurig, nicht selbst auf diese geniale, weil aromatisch naheliegende Idee gekommen zu sein. Ich bin kein Raucher, aber wenn ich einer wäre, würde ich mir gerne eine milde Zigarre dazu anzünden.

Ergänzend zu der 1910er Collection (298,00 EUR für 0,5 l) gibt es noch welche mit den Jahrgängen 1930 (259,00 EUR für 0,5 l) und gar dem Jahrgang 1830 (795,00 EUR für 0,5 l). Das alles steht nun ganz oben auf meiner Verkostungsliste. Parallel zu den Rum x Sherry Collectionen, gibt es auch noch einen Black Tie Gin (69,00 EUR für 0,7 l), einen Grappa Oro (67,00 EUR für 0,5 l), einen Rotwein aus der Dordogne (237,00 EUR für 6 Flaschen), einen Tee (39,00 EUR für 70 g), einen Gin-Cup (109,00 EUR), der von KPM produziert wird und noch ein paar andere Merchandise-Artikel.

Sehen Sie selbst unter www.blacktie-collection.com

von Bernhard Moser